Getaway

Für diese Seite lieferten David Nijjar und Zia Chaudhry die Informationen, sowie einige Websites.

Einleitung

Getaway wird im Pandschab, einer Region Indiens und Pakistans und auch in Bangladesch gespielt. Das Spielziel ist „to get away“ (Deutsch: entkommen, entwischen), indem man alle seine Karten spielt. Der letzte Spieler, dem es nicht gelingt zu entkommen und alleine mit Karten in seiner Hand übrig bleibt, ist der Verlierer.

Unglücklicherweise ist dieses Spiel bei vielen Spielern als Bhabhi bekannt, und das bedeutet auf Hindi „Schwägerin“. Diese Bezeichnung für den Verlierer des Spiels ist eine spöttische Beleidigung, und ist außerordentlich kränkend in der Kultur des Pandschab. Es gehört zu einer leider noch nicht ausgestorbenen Tradition, in der Frauen als Eigentum betrachtet und mit Verachtung und Grausamkeit behandelt wurden. Das Spiel nennt man manchmal auch Bhabhi Thulla, und „thulla“ ist Hindi Slang für Polizei – und so wird eine Karte einer anderen Farbe genannt, die das Spielen eines Stiches unterbricht.

Spieler und Karten

Getaway wird mit einem Standardkartenspiel von 52 Karten ohne Joker gespielt. In jeder Farbe ist die Rangfolge der Karten von hoch nach niedrig: A K D B 10 9 8 7 6 5 4 3 2.

Es sind mindestens drei Spieler nötig, wenn das Spiel interessant sein soll, und es können bis zu acht Spieler teilnehmen. Mit mehr als acht Spielern haben die Spieler zu wenige Karten in der Hand, es sei denn, man passt das Spiel den vielen Spielern an, indem man ein zweites Kartenspiel dazu nimmt – siehe Varianten.

Geben der Karten und Spiel erfolgen in Uhrzeigerrichtung.

Das Kartengeben

Jeder beliebige Spieler kann geben. Die Karten werden gemischt und gleichmäßig an die Spieler ausgegeben – dabei können einige Spieler eine Karte mehr bekommen als die anderen. Jeder Spieler nimmt seine Karten auf, sieht sie an, ohne sie den anderen Spielern zu zeigen.

Um den Vor- oder Nachteil auszugleichen, dass man mit mehr oder weniger Karten spielt, empfehlen wir, dass die Spieler nacheinander Karten geben.

Das Spiel

Der erste Stich

Der Spieler, der das Pik Ass hat, beginnt und spielt es offen auf den Tisch, und alle anderen Spieler müssen auch eine Karte offen spielen. Es ist praktisch, wenn das im Uhrzeigersinn nacheinander gespielt wird, aber bei diesem ersten Stich ist es nicht streng notwendig, dass man darauf wartet, bis man an der Reihe ist. Die Spieler, die eine Pikkarte haben, müssen eine Pikkarte ihrer Wahl spielen; die Spieler, die keine Pikkarte haben, können eine beliebige Karte spielen. Wenn jeder eine Karte gespielt hat, werden diese Karten zusammen gesammelt und verdeckt abgelegt; sie sind der Anfang eines Ablagestapels. Der Spieler, der das Pik Ass hatte, spielt jetzt zum zweiten Stich aus, indem er irgendeine seiner Karten offen auf den Tisch legt.

Der zweite und die folgenden Stiche

Jeder Stich wird mit einer Karte von dem Spieler begonnen, der im vorhergehenden Stich die höchste Karte der angespielten Farbe spielte: man sagt, dass dieser Spieler „die Macht hat“. Der Spieler spielt irgendeine Karte offen auf den Tisch. Die anderen Spieler müssen, sofern es ihnen möglich ist, eine Karte derselben Farbe, die angespielt wurde, dazugeben. Haben sie mehrere Karten dieser Farbe, ist es ihnen freigestellt, welche Karte sie spielen. Ein Spieler, der keine Karte der angespielten Farbe hat, kann eine beliebige Karte spielen. Diese Karte einer anderen Farbe, manchmal ´tochoo´der ´thulla´ genannt, beendet das Spielen einer weiteren Karte zu diesem Stich. Die folgenden Spieler, die links von dem Spieler sitzen, der die tochoo spielte, können keine Karte mehr spielen.

  • Wenn jeder eine Karte derselben Farbe spielt, die der erste Spieler ausgespielt hat, dann - nachdem alle Spieler eine Karte gespielt haben – werden diese Karten eingesammelt und verdeckt auf den Ablagestapel gelegt.
  • Wenn irgendein Spieler die Farbe nicht bedienen konnte und einen tochoo spielte, dann nimmt der Spieler, der die höchste Karte der ausgespielten Farbe gespielt hatte, alle Karten auf, die zu diesem Stich gespielt wurden, und nimmt sie in seine Handkarten.

In beiden Fällen hat der Spieler die Macht, der die höchste Karte der ausgespielten Farbe hatte, und er spielt zum nächsten Stich mit irgendeiner Karte aus seiner Hand aus.

Ein Beispiel für den Beginn eines Spiels mit den Spielern Nord, Ost, Süd und West.

  • Erster Stich: West hat das Pik Ass und spielt es aus, Nord spielt pikB, Ost hat keine Pikkarten und spielt  herzA, Süd spielt  pik10. Diese vier Karten werden verdeckt auf den Ablagestapel gelegt. Weil West die höchste Pikkarte spielte, spielt West auch zum nächsten Stich aus. Man beachte, dass die Karten des ersten Stiches immer auf den Ablagestapel kommen, selbst dann, wenn ein Spieler die Farbe nicht bedienen konnte.
  • Zweiter Stich: West spielt herz5, Nord herz9, Ost herzD, Süd herzB. Diese vier Karten kommen auf den Ablagestapel, und Ost, der die höchste Herzkarte spielte, spielt zum nächsten Stich aus.
  • Dritter Stich: Ost spielt herz3, Süd herz7, West herzK, Nord herz8. Diese vier Karten werden wieder auf den Ablagestapel gelegt und West spielt zum nächsten Stich aus.
  • Vierter Stich: West spielt herz2, Nord spielt  herz6, Ost, der keine Herzkarten mehr hat, spielt kreuzK. Dieser tochoo beendet diesen Stich – Süd bekommt keine Gelegenheit mehr, eine Karte zu spielen. Die erste Karte war eine Herzkarte, und die höchste Herzkarte wurde von Nord gespielt, deshalb bekommt er die drei Karten dieses Stiches zu seinen Handkarten dazu und spielt zum nächsten Stich aus.
  • Fünfter Stich: Nord spielt karoD, Ost karoB, Süd karoA, West karoK; diese Karten kommen wieder auf den Ablagestapel und Süd spielt zum nächsten Stich aus.
  • Sechster Stich: Süd spielt karo5, West hat keine Karokarten und spielt pikK. Nord und Ost können nicht mehr spielen. Da kein anderer Spieler eine Karte mit der Farbe spielte, die Süd ausgespielt hatte, , bleibt die karo5 die höchste Karte dieser Farbe in diesem Stich. Das bedeutet, dass Süd die beiden Karten nehmen muss und dann wieder ausspielen muss. Süd hat nun 10 Karten, West 7, Nord 11 und Ost 8.

Anmerkungen:

  • Im ersten Stich spielt jeder eine Karte, selbst dann, wenn ein Spieler kein Pik hat und deshalb eine Karte einer anderen Farbe spielt. Dieser erste Stich wird immer auf den Ablagestapel gelegt.
  • Beim zweiten und den folgenden Stichen muss das Spiel gestoppt werden, wenn ein tochoo gespielt wird. Wenn irgendjemand den Fehler macht, dass er nach einem tochoo zu diesem Stich weiter spielt, dann muss er zur Strafe alle Karten dieses Stiches aufnehmen und zum nächsten Stich ausspielen. Bei anderen Fehlern gilt dieselbe Strafe, also wenn einer beispielsweise außerhalb der Reihe eine Karte spielt oder einen tochoo spielt, obgleich er eine Karte der ausgespielten Farbe hat.

Getting away (Entkommen)

Im weiteren Verlauf des Spiels werden Spieler zu verschiedenen Zeitpunkten des Spiels keine Karten mehr haben, weil nicht jeder zu jedem Stich spielen muss und weil Spieler manchmal Karten aufnehmen müssen. Spieler, die keine Karten mehr haben, sind „entkommen“ (they got away): sie spielen nicht mehr mit und können deshalb nicht mehr verlieren. Es ist jedoch nicht möglich zu entkommen, wenn man „die Macht“ hat. Wenn die letzte Karte eines Spielers die höchste Karte in einem Stich ist, in dem jeder Farbe bedienen konnte, dann muss er zum nächsten Stich ausspielen – aber er hat keine Karte. In diesem Falle muss er eine beliebige Karte des gemischten und verdeckten Ablagestapels ziehen, und zwar bevor die Karten des zuletzt gespielten Stichs auf den Ablagestapel gelegt werden. Diese gezogene Karte muss er ausspielen, damit das Spiel weitergehen kann. Wenn man Glück hat und es wird eine höhere Karte dieser Farbe zu diesem Stich gespielt, dann ist man aus dem Spiel raus und sicher. Wenn niemand eine höhere Karte dieser Farbe spielt, dann muss man wieder ausspielen, entweder von den Karten, die man bei einem tochoo aufnehmen musste oder weil man wieder vom Ablagestapel ziehen musste. 

Karten nehmen

Vor jedem Stich ist es  jedem Spieler erlaubt, alle Karten des Spielers zu nehmen, der direkt links von ihm sitzt oder, - wenn dieser Spieler keine Karten mehr hat – vom nächsten Spieler, der noch Karten hat (im Uhrzeigersinn) – und diese Karten in seine Handkarten zu nehmen. Der Spieler, dessen Karten genommen wurden, ist entkommen und kann nicht mehr verlieren.

Auf den ersten Blick ist es überraschend, dass ein Spieler das tun sollte, wo es doch das Spielziel ist, sich aller Karten zu entledigen. Tatsächlich ist es aber oft der beste Spielzug, wenn der Spieler zur Linken nicht die Farben hat, die man selber hat, oder wenn er einige niedrige Karten hat, die man selber benötigt.

Spielende

Wenn Spieler keine Karten mehr haben, sind sie entkommen und nehmen nicht mehr am Spiel teil. Der letzte Spieler, der noch Karten hat, ist der Verlierer. Es gibt kein allgemein gültiges System, Buch zu führen; aber wenn mehrere Spiele gespielt werden, könnten die Spieler daran interessiert sein, wie oft jeder Spieler verloren hat.

Zwei Spieler

Wenn nur noch zwei Spieler übrig sind, geht das Spiel normal weiter. Wenn einer der Spieler seine letzte Karte als ein tochoo spielt, oder die letzte Karte des Spielers dieselbe Farbe hat und niedriger ist als die Karte, die der andere Spieler gespielt hat, dann ist der Spieler, der noch Karten hat, der Verlierer. Einige Spielbeschreibungen – siehe weiter unten – behandeln die folgende Situation als einen besonderen Fall: Spieler A spielt seine letzte Karte aus, und der Gegenspieler B spielt eine niedrigere Karte derselben Farbe. Wenn das auch die letzte Karte von B war, dann hat A verloren; aber wenn B noch Karten hat, dann muss A wie üblich eine beliebige Karte aus dem Ablagestapel ziehen – wobei das nicht die beiden Karten sein dürfen, die gerade gespielt wurden, und muss diese Karte ausspielen. Es gibt jetzt drei Möglichkeiten:

  • Spieler B antwortet mit einer höheren Karte der gleichen Farbe. In diesem Fall ist der Spieler A entkommen und der Spieler B hat verloren (selbst dann, wenn das auch die letzte Karte von Spieler B war).
  • Spieler B antwortet mit einer niedrigeren Karte der gleichen Farbe. Wenn das die letzte Karte von Spieler B war, ist Spieler B entkommen und Spieler A verliert. Wenn B noch mindestens eine Karte hat, geht das Spiel weiter. A muss wieder eine Karte aus dem Ablagestapel ziehen – aber keine der beiden gerade gespielten Karten – und muss diese Karte spielen.
  • Wenn B keine Karte der Farbe hat, die A gezogen hat, und deshalb ein tochoo spielt, verliert A sofort. Das wird so gemacht, um Zeit zu sparen, denn würde das Spiel fortgesetzt, dann hätte B einen sicheren Weg, den Verlust zu vermeiden. Alles, was B tun muss, ist die höchste verfügbare legale Karte zu spielen. In diesem Fall hat A nie die Möglichkeit, B zum Ausspiel zu zwingen, und wird deshalb nie die Möglichkeit haben, die Karte, die B als tochoo spielte, los zu werden, denn B wird nie eine Karte dieser Farbe haben.

Varianten

In einigen Gegenden werden die Karten nicht normal gegeben. Der Kartengeber mischt die Karten  und teilt sie verdeckt in so viele Haufen von etwa gleicher Höhe wie Spieler am Tisch sitzen. Der Geber darf die Anzahl der Karten in den einzelnen Haufen nicht zählen, aber er darf Karten von einem zu einem anderen Haufen legen, bis sie alle etwa gleich hoch aussehen. Es ist Tradition, dass der Jüngste, der gewöhnlich ein Kind der Familie ist, sich als erster einen Haufen auswählen kann, und das wird wahrscheinlich der Haufen sein, der so aussieht, als ob er die geringste Anzahl von Karten hat.

In einigen Gegenden wird gegen den Uhrzeigersinn gespielt. In diesem Fall kann man vor einem Stich die Karten von seinem rechten Mitspieler nehmen, der als nächster Spieler an der Reihe  wäre. 

In den Spielbeschreibungen, die wir bisher gesehen haben, gibt es verschiedene Vorgehensweisen für den Fall, dass ein Spieler seine letzte Karte zu einem Stich spielt, alle anderen Spieler bedienen die Farbe und seine Karte ist die höchste.

  • Wie in der obigen Beschreibung ausgeführt, zieht der Spieler eine Karte vom Ablagestapel – aber keine Karte vom gerade gespielten Stich – und spielt sie aus.
  • Statt eine Karte vom Ablagestapel zu ziehen, kann der Spieler, der als nächster ausspielen muss, eine beliebige Karte von den Handkarten des nächsten Spielers zur Linken ziehen (oder auch von irgendeinem anderen Spieler).
  • Sind noch mehr als zwei Spieler im Spiel und man spielt seine letzte Karte, dann ist man entkommen, selbst dann, wenn man der nächste zum Ausspielen gewesen wäre. Das Ausspiel geht auf den nächsten Spieler zur Linken über, der noch Karten hat. Wenn jedoch nur noch ein zusätzlicher Spieler im Spiel ist, dann entkommt man nicht. Man muss vom Ablagestapel ziehen und ausspielen, wie in der Beschreibung des Grundspiels erläutert wurde.

Mit einer größeren Anzahl von Spielern kann man zwei Kartenspiele benutzen. Man braucht dann einige Regeln, um das Spiel mit zwei gleichen Karten zu regeln. Wir schlagen vor, dass eines der beiden Pik Asse gekennzeichnet werden sollte, und der Besitzer des gekennzeichneten Asses als erster spielen sollte. Wenn zwei gleiche Karten als die höchsten Karten der angespielten Farbe gespielt sind, schlagen wir vor, dass die zuerst gespielte Karte als die  höhere Karte gelten soll. Es ist also der Spieler, der als erster die gleich hohe Karte gespielt hat, der die Karten aufnehmen muss, auch wenn ein tochoo gespielt wurde, in jedem Falle muss er zum nächsten Stich ausspielen.

Andere Websites und Software

Bhabhi.org bietet ein ziemlich primitives online Spiel gegen Computerspieler an, und jetzt auch ein online Spiel gegen andere Spieler.

Zymbiotic bietet ein Bhabhi Spiel fürs iPhone an, und zwar gegen den Computer oder mit anderen Spielern.

Mark Klassen hat eine Beschreibeung von Bhabhi auf Board Game Geek veröffentlicht.