Auction Pinochle
Amerikanische Ostküste

TOM:
Was ist mit dem Unterhändler?
CLEMENZA: Der ist drüben bei mir
zuhause
und spielt mit
einigen meiner Leute Pinochle.
Er ist glücklich.
Sie lassen ihn gewinnen.
(Francis Ford Coppola, Der Pate, USA 1972,
Ausschnitt: Clip
Café)
- Brooklyn, New York
- Mit Pott
- Weitere Varianten
- Wesentliche Unterschiede zur Variante «West»
- Verwendete Literatur
Auction Pinochle spielen ist eine Antwort auf die Frage, was man mit einem Doppelkopf-Blatt machen kann wenn der vierte Mitspieler fehlt. Pinochle ist der amerikanische Ableger des in Württemberg immer noch sehr populären Binokel. Auswanderer haben das Spiel im 19. Jh. nach Nordamerika mitgebracht. Die Varianten zu dritt gehörten vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jh. zu den grossen amerikanischen Spielen. Mittlerweile sind die Varianten für vier Spieler und mit doppeltem Blatt populärer, die Varianten mit einfachem Doppelkopf-/Pinochle-Blatt werden jedoch weiter viel gespielt.
Die hier beschriebene Variante, bei der jedes Spiel für sich in Geld oder Chips bezahlt wird, wird von Morehead/Mott-Smith als «Ost»-Variante bezeichnet (S. 294). Sie ist typisch für die amerikanische Ostküste. Etwas anders sind die Varianten «West», die im Mittleren Westen der USA besonders beliebt sind und auf einer eigenen Seite beschrieben werden.
Wir geben zunächst die Regeln von Bob Bassin aus Brooklyn (New York) und danach die von Paul Medvit für ein Spiel mit einer Kasse (Pott).
Brooklyn, New York
Spielrichtung, Positionen
Es geht im Uhrzeigersinn.
Drei Spieler sind aktiv. Der Spieler links vom Geber ist Vorhand, der nächste Mittelhand und der dritte, der Geber, Hinterhand.
Wenn mehr als drei an der Runde teilnehmen, sind nur der Geber und die beiden Spieler im Uhrzeigersinn nach ihm aktiv, die Spieler rechts vom Geber pausieren.
Spielmaterial
Das Pinochle-Blatt entspricht in seiner Zusammensetzung dem in Nord- und Westdeutschland üblichen Doppelkopfblatt: 48 Karten; französische Farben: Pik, Karo, Kreuz, Herz; jeweils zweimal Ass, 10, König, Dame, Bube und 9 in jeder Farbe. Des weiteren brauchen die Spieler entweder Münzen oder Pokerchips in ausreichender Menge.
Spielziel
Einer spielt allein gegen die beiden anderen und gewinnt indem er eine gebotene Zahl von Kartenpunkten mit Stichen und Meldungen erreicht. Je höher das Gebot, desto höher der Spielwert. Der Alleinspieler ernennt eine Trumpffarbe und kann sein Blatt mit Karten von einem Tapp (Skat, Talon), engl. cat, kitty (Kätzchen) oder widow (Witwe), verbessern.
Kartenpunkte
macht der Alleinspieler, indem er Stiche gewinnt und bestimmte Kartenkombinationen vorzeigt.
Augenwerte. In den Stichen haben die Karten die in Mitteleuropa bekannte Reihenfolge und Augenwerte (von oben):
| A | > | 10 | > | K | > | D | > | B | > | 9 | 11 | 10 | 4 | 3 | 2 | 0 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
Da jede Karte zweimal vorkommt gibt es, wie im Doppelkopf, insgesamt 240 Augen.
Für den letzten Stich gibt es zusätzlich 10 Punkte, sodass es für die Stiche insgesamt 250 Kartenpunkte gibt.
Meldungen. Die Kombinationen, die der Alleinspieler melden kann, fallen in drei Gruppen:
| Sequenzen | Punkte | |
|---|---|---|
| Lauf (run) | Trumpf-A-10-K-D-B | 150 |
| Trumpf-Paar (royal marriage) | Trumpf-K-D | 40 |
| Gemeines Paar (common m.) | K-D gleicher Farbe | 20 |
| Quartette | ||
| Asse rum (aces around) |
|
100 |
| Könige rum (kings around) |
|
80 |
| Damen rum (queens around) |
|
60 |
| Buben rum (jacks around) |
|
40 |
| Spezial | ||
| Pinochle |
|
40 |
| Dix (gespr. «Diess») | Trumpf-9 | 10 |
Jede Karte kann einmal pro Gruppe gemeldet werden (d.h. z.B.
B
und
D
bis zu dreimal: im Pinochle, in einem Paar bzw. Lauf, und in Damen bzw.
Buben rum). Zehner und Neuner rum können nicht gemeldet werden, ein
anderer Rang rum hat vier Karten und jede Farbe einmal.
(Anders als im Mittleren Westen oder Binokel hat eine doppelte Meldung keinen besonders hohen Wert, sondern zählt schlicht doppelt soviel wie eine.)
Geben
Der erste Geber wird gelost. Nach einem Spiel ist die bisherige Vorhand nächster Geber. Der Geber mischt, lässt den Spieler rechts abheben und verteilt, beginnend mit Vorhand, reihum an jeden 5 mal 3 = 15 Karten. Nach der ersten Geberunde kommen drei Karten verdeckt auf die Tischmitte als Tapp/Kitty.
Bieten
Die Spieler bieten darum, wer Alleinspieler wird. Vorhand beginnt und muss mindestens 300 bieten. Die Spieler machen der Reihe nach ein höheres Gebot oder passen. Ein Gebot muss ein Vielfaches von 10 sein und darf nicht auf 40 oder 90 enden (300, 310, 320, 330, 340, 350, 360, 370, 380, 390 400, 410, usw.). Wer passt kann nicht mehr mitbieten. Haben nach einer oder mehreren Bietrunden zwei Spieler gepasst, ist der letzte Bieter Alleinspieler. Hat Vorhand mit 300 eröffnet und die beiden anderen Spieler danach gepasst, dann kann Vorhand das Alleinspiel an Hinterhand abgeben. Zum Gewinn eines abgegebenen Spiels sind nur 250 Kartenpunkte nötig (statt 300).
(Es sei angemerkt, dass der Alleinspieler sein Gebot nach Ansicht des Tapp nicht erhöhen kann, wie z.B. im Spiel Tausend; wer seine Hand unterbietet kann das nicht korrigieren wenn die Mitspieler passen.)
Kartentausch
Der Alleinspieler nimmt den Tapp, dreht ihn um, zeigt ihn den Mitspielern, nimmt die Karten dann in sein Blatt auf und legt dann 3 von den nunmehr 18 Karten vor sich verdeckt ab ohne sie zu zeigen. Die abgelegten Augen zählen zu seinen Gunsten, die Karten können aber nicht gemeldet werden.
Aufgeben
Meint der Alleinspieler, dass er sein Gebot nicht erfüllen kann, dann kann er nach Aufdecken des Tapp aufgeben. Er verliert dann das Spiel einfach. Spielt er und verliert, zählt das Spiel doppelt.
Trumpfansage und melden
Wenn der Alleinspieler spielen will, sagt er jetzt die Trumpffarbe an und macht die gewünschten Meldungen indem er die fraglichen Karten aus der Hand offen auf den Tisch legt, damit alle sie sehen können. Sollte der Alleinspieler allein durch die Meldungen schon sein Gebot erreichen, dann hat er gewonnen und die Karten werden nicht mehr gespielt.
Spiel der Karten
Der Alleinspieler spielt die erste Karte, indem er eine Karte seiner Hand offen auf den Tisch legt. Die andern legen der Reihe nach offen eine Karte dazu. Es gelten folgende Regeln:
- Eine beliebige Karte kann angespielt werden.
- Wurde eine Farbe angespielt die nicht Trumpf ist, muss wenn möglich bedient werden (die gleiche Farbe gespielt: Farbzwang), wer nicht bedienen kann, muss wenn möglich einen beliebigen Trumpf spielen (Trumpfzwang).
- Wurde Trumpf angespielt, muss Trumpf bedient und wenn möglich gestochen werden (eine bessere Karte gepielt: Stichzwang bei Trumpfanspiel).
- Wer nicht bedienen und trumpfen kann, spielt eine beliebige Karte.
Den Stich macht der höchste Trumpf oder, wenn kein Trumpf gespielt wurde, die höchste Karte der angespielten Farbe. Sind die besten Karten in Farbe und Rang identisch, sticht die zuerst gespielte die zweite.
Der Gewinner eines Stichs spielt zum nächsten an.
Spielende
Wenn der Alleinspieler sein Gebot erreicht hat oder klar ist, dass er es nicht mehr schaffen wird, kann man mit dem Spiel der Karten aufhören.
Wertung
Es wird nur geguckt ob der Alleinspieler sein Gebot erfüllt hat, d.h. wenigstens soviele Kartenpunkte wie geboten gemacht hat. Hat der Alleinspieler gewonnen, zahlen ihm die Gegenspieler den Wert des Spiels, sonst zahlt der Alleinspieler diesen an jeden. Pausierende Spieler zählen zur Gegenpartei. Der Spielwert richtet sich nach dem Gebot (als Grundeinheit seien 10 Cent angenommen). Weniger als 350 Kartenpunkte sind 10 Cent wert, ab 350 verdoppelt sich der Wert für je 50 Kartenpunkte und wird bei 550 gedeckelt (Gebote von 600 oder mehr sind extrem selten):
| Gebot | Wert |
|---|---|
| weniger als 350 | 10 |
| 350 oder mehr | 20 |
| 400 » | 40 | 450 » | 80 |
| 500 » | 160 |
| 550 und mehr | 320 |
Der angegebene Wert wird verdoppelt wenn
- der Alleinspieler gespielt und verloren hat;
- Pik Trumpf gewesen ist.
Pik gespielt und verloren zählt also vierfach. Ein Spieler der ohne gespielt zu haben aufgibt verliert nur den einfachen Spielwert.
Mit Pott
(Angegeben sind die Unterschiede zur Brooklyn-Variante.)
Bieten
Das Mindestgebot ist 250 und es können Gebote gemacht werden die auf 40 oder 90 enden. Die ersten beiden Spieler können passen, dann muss Hinterhand wenigstens das Mindesgebot 250 machen, kann aber mehr ansagen.
Spielwert
Der Spielwert ist gleich dem Gebot, abgerundet auf das nächst niedrigere Vielfache von 50. Wenn man z.B. mit einem Tarif von 10 Kartenpunkte = 1 Cent spielt, dann wäre der Wert des Spiels 25 Cent bei einem Gebot von 250 bis 290, 30 Cent bei 300 bis 340, 35 Cent bei 350 bis 390 usw. Dieser Betrag wird wie üblich verdoppelt bei gespielt und verloren, und wenn Pik Trumpf ist.
Der Pott
Zu Anfang und wenn sie leer ist zahlen die Spieler das Äquivalent von 250 Kartenpunkten in eine Kasse (pool; beim obigen Tarif also 25 Cent). Verliert der Alleinspieler oder gibt er auf, muss er den Spielwert nicht nur an jeden Gegenspieler (incl. pausierende Spieler) sondern auch in die Kasse zahlen (Bsp.: 330 in Pik gespielt und verloren: 30 mal 4 = 120 Cent an jeden Gegenspieler und in die Kasse). Wer ein Gebot von 400 oder höher gewinnt wird von den Mitspielern bezahlt und zieht die Kasse ein.
Weitere Varianten
Geber setzt aus
und nicht der Spieler rechts vom Geber wenn vier oder mehr spielen.
Vereinfachte Augenwerte
Die angegebenen und in Mitteleuropa bis heute üblichen Werte («old-timers’ count» nach Scarne, S. 316) wurden manchmal vereinfacht zu: Asse und 10er zählen je 10 Augen, Könige und Damen je 5, Buben und 9er nichts («simplified count»). Verbreiteter ist inzwischen wohl die noch drastischere Vereinfachung: A, 10, K je 10 (counters) und D, B, 9 (losers) nichts («streamlined count»). Am Gesamtwert der Augen von 240 ändert sich nichts.
Rundgang (roundhouse)
Könige und Damen rum zählen 80 plus 60 gleich 140 und dazu 100 für die enthaltenen Paare, insgesamt also 240 Punkte. Hätte der Spieler zusätzlich einen Lauf der die Karten des im Rundgang gemeldeten Trumpfpaares enthält dann wären das alles zusammen 350 Punkte (240 plus 150 weniger 40 für das Paar das im Rundgang schon berücksichtigt wurde). Manche haben allerdings in diesem Fall das Paar im Lauf nochmal gezählt, insgesamt also 390 Punkte (eine Auffassung die wiederum oft als fehlerhaft angesehen wurde). Der Pinochle gehört zur Spezialkategorie und wird immer zusätzlich gewertet, daher zählt z.B. ein Rundgang und dazu ein Lauf in Karo 390 Punkte (vgl. Scarne, S. 313f.).
Mindestgebot
Es gab im 20. Jh. die Tendenz das Mindestgebot zu erhöhen. Im 19. Jh. gab es noch kein Mindestgebot, dann folgten 100, 150, 200. Es gibt auch schon Runden die 350 verlangen.
Herz als Trumpf verdreifacht den Spielwert
Pik verdoppelt wie gehabt. Es hat umgekehrt Runden gegeben bei denen der Spielwert nicht von der Trumpffarbe abhängt.
Wertung
Statt beim Spiel ohne Pott für je 50 gebotene Kartenpunkte zu verdoppeln, gab es viele verschiedene Zahlungsschemata. Zum Bsp.: weniger als 350 geboten zählt 20 Cent, weniger als 400 zählt 30, weniger als 450 zählt 40 usw., also 10 Cent pro 50 Kartenpunkte. Oder: weniger als 350 Geboten zählt 10, weniger als 400 zählt 20 (10 mehr), weniger als 450 zählt 40 (20 mehr), und dann 20 Cent für je 50 Punkte mehr.
Es folgt eine Tabelle mit drei Systemen (es sind die Punktgrenzen angegeben). Das erste (S1) ist ein einfaches lineares Schema nach Scarne (S. 338); das zweite (S2), ebenfalls von ihm (S. 339), beginnt mit einer geometrischen Progression, flacht nach dem Wert 10 jedoch ab; im dritten System (G) ist die Progression konsequent weitergeführt (die Werte für Stufen die auf 50 enden entsprechen der 1-2-5-Serie, wie bei Geldmünzen und -scheinen, die 100er sind interpoliert). Ob eigene Werte für Gebote über 600 sinnvoll sind muss man selber entscheiden, solche Gebote sind extrem selten. Scarne gibt an, dass die theoretische Maximalpunktzahl mit dem old-timers’ count 718 ist, d.h. das theoretische Höchstgebot wäre 710 (S. 338). Scarnes Tabellen beginnen bei 250.
| Gebot | S1 | S2 | G |
|---|---|---|---|
| 200 | (1) | (1) | 1 |
| 250 | 2 | 2 | 2 |
| 300 | 3 | 3 | 3 |
| 350 | 4 | 5 | 5 |
| 400 | 5 | 7 | 7 |
| 450 | 6 | 10 | 10 |
| 500 | 7 | 13 | 15 |
| 550 | 8 | 17 | 20 |
| 600 | 9 | 21 | 30 |
| 650 | 10 | 25 | 50 |
| 700 | 11 | 30 | 70 |
Pott
Die Frage wann die Kasse ausgezahlt wird, wenn es eine gibt, wurde verschieden gehandhabt. Zum Bsp. gibt Scarne an, dass das bei einem Gebot von 350 passiert (S. 341f.). Zu Scarnes Zeiten gab es drastische Zahlungen an die Kasse bei Verlust: bei aufgebenem Spiel musste nochmal der Kasseninhalt eingezahlt werden, doppelt wenn gespielt und verloren, dazu, wenn vereinbart, beides doppelt wenn Pik Trumpf war, dreifach bei Herz (von einem Farbmultiplikator rät Scarne ab).
Wesentliche Unterschiede zur Variante «West»
(Die Unterschiede zum heutigen schwäbischen Spiel sind wiederum auf der Seite für das Spiel im Mittleren Westen angegeben.)
Im Westen
- wird die Partie auf eine Zielpunktzahl gespielt, statt jedes Spiel für sich zu werten;
- wird eine Meldung die zweimal vorhanden ist sehr hoch bewertet;
- werden sowohl dem Alleinspieler als auch jedem Gegenspieler die gewonnenen Kartenpunkte und Meldungen gutgeschrieben;
- gewinnt der Alleinspieler was er gemacht hat wenn das mindestens dem Gebot entspricht (es schadet ihm nicht wenn die Gegenspieler nach einem niedrigen Gebot passen);
- haben Spiele mit allen Trumpffarben den gleichen Wert (nicht Pik mal 2, Herz mal 3).
Andere Unterschiede, wie Augenzählung oder Stichregel, sind wohl nicht landschaftsspezifisch. Überhaupt bezeichnet «Ost» und «West» wohl weniger regionale, als vielmehr kulturelle Unterschiede: die Ostküstenvariante ist ein urbanes Geldspiel, das teilweise um hohe Summen gespielt wurde (sicherlich im geographisch dem Mittleren Westen zugeordneten Chicago). Das Spiel im Mittleren Westen betont den pekuniären Aspekt weniger, Morehead/Mott-Smith nennen es das «home game» (Spiel für zuhause; S. 303).
Verwendete Literatur
- AMERICAN PLAYING CARD COMPANY, The Official Rules of Card Games, Chincinatti (Ohio) 1943.
- Albert H. MOREHEAD / Geoffrey MOTT-SMITH, Culbertson’s Gard Games Complete, ed. Hubert Philipps, Arco Publ., Watford (Hertfordshire) 1957.
- John SCARNE, Scarne on Cards, Penguin, New York 1965.