Le Quatre Sept
und Pollack
Die vorgestellten Hauptregeln sind ein Beitrag von Lorraine Dube Barnes.
Das Spiel Quatre Sept wird in den französischsprachigen Provinzen Kanadas gespielt. Es trägt auch Namen wie La Politaine oder La Poule. Das Spiel stammt vom Tressette ab. Tressette wird mit 40 Karten gespielt (Bilder und Ass bis 7er) und ist weiterhin sehr populär in Italien, erfreute sich jedoch vor allem im 18. und 19. Jh. in Europa auch ausserhalb von Italien einiger Beliebtheit. Nachdem andere Spiele mit dem 40 Kartenblatt, wie Hombre oder Quadrille, ab dem späten 18. Jh. an Popularität verloren, hat man das Spiel in Frankreich und Deutschland auf das gängigere das Piquet/Skat/Préférence-Blatt mit 32 Karten übertragen. Quatre Sept wurde dann von Einwanderern aus Frankreich nach Kanada gebracht. In Deutschland bekam das Spiel den Namen Pollack.
Tressette und die hier vorgestellten Spiele sind Augenstichspiele ohne Trumpf. Im italienischen Original ist die Reihenfolge der Karten von oben
3-2-A-K-D-B-7-6-5-4.
Dieses wurde auf das 32er-Blatt übertragen, indem 3 und 2 respektive durch 10 und 9 ersetzt wurden:
10-9-A-K-D-B-8-7.
Charakteristisch für das Mutterspiel ist weiterhin die Kartenkombination Napoletana aus 3-2-A. Diese wurde übertragen auf den Satz 10-9-A einer Farbe. Spielnamen wie Politaine, woraus weiter Poule wurde, oder Pollack, sind Verballhornungen von «Napoletana».
Spieler, Karten
Es spielen vier, je 2 gegen 2, die Partner sitzen einander gegenüber.
Man benutzt 32 Karten in der gleichen Zusammensetzung, wie das Skat- oder Préférence-Blatt. In den französischsprachigen kanadischen Provinzen wird man vermutlich gelegentlich Karten mit französischen Eckzeichen antreffen, mit R für den König (frz. le roi), D für die Dame (la dame) und V für den Buben (le valet), dass Ass trägt die Ziffer 1. Die Karten haben absteigend, von links nach rechts, folgenden Rang und Wert:
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| ⅓ | ⅓ | 1 | ⅓ | ⅓ | ⅓ | 0 | 0 |
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Zusätzlich zu den Karten zählt der letzte Stich 1 Punkt.
Insgesamt kommt man auf 11⅔ Kartenpunkte. Allerdings fallen Drittel-Bruchteile in der Zählung weg, so dass es effektiv nur 11 Kartenpunkte gibt.
Geben, Abspiel
Spielrichtung ist im Uhrzeigersinn.
Geben. Der erste Geber mischt, lässt rechts abheben und gibt dann im Uhrzeigersinn jedem erst 3, dann 2, dann nochmal 3 = insgesamt 8 Karten. Nach dem Spiel ist der Spieler links neuer Geber.
Le quatre sept. Hat ein Spieler alle vier 7er auf der Hand, so sagt er das an und seine Partei gewinnt sofort die gesamte Partie.
Abspiel. Der Spieler links vom Geber spielt zum ersten Stich an. Jeder legt der Reihe nach eine Karte dazu. Farbe muss bedient werden, wer’s nicht kann, spielt eine beliebige Karte. Die höchste Karte der angespielten Farbe gewinnt den Stich. Es gibt keinen Trumpf. Der Stichgewinner spielt zum nächsten Stich an.
La poule oder politaine. Hält ein Spieler 10, 9 und A einer Farbe und gelingt es ihm, nacheinander 3 Stiche in lückenloser Folge mit diesen Karten zu gewinnen, dann erhält seine Partei 11 Bonuspunkte. Um diese Punkte zu erhalten, muss der fragliche Spieler «La poule» oder «Politaine» ansagen, wenn er die erste der drei Karten spielt.
Man beachte dass es durchaus möglich ist, dass ein Spieler eine Politaine hält, den Bonus aber nicht erhalten kann, weil nicht alle drei Karten Stiche gewinnen. Beispielsweise wenn die ersten sechs Stiche in anderen Farben gespielt werden und es dem Halter der Politaine nicht gelingt, an den Stich zu kommen. Spätestens im 6. Stich müsste er eine Politaine-Karte spielen, die den Stich verliert, womit der Bonus verloren ist.
Wertung
Nach jedem Spiel zählen beide Parteien die gemachten Punkte für Karten, letzten Stich und Politaines.
Die Partie geht auf 31 Punkte. Wenn eine oder beide Parteien diese Punktzahl erreichen, gewinnt wer die meisten Punkte hat. Bei Gleichstand 33:33 gibt es ein Entscheidungsspiel.
Da in jedem Spiel ein Vielfaches von 11 Punkten verteilt wird, kann es nur den Gleichstand 33:33 geben. Eine Partie kann entsprechend nicht länger als 7 Spiele dauern.
Varianten
Im Internet findet man Varianten in der Boîte à jeux und den Règles de jeux de cartes inédites.
Wikibooks, Boîte à jeux
Die Regeln von La Politaine unterscheiden sich von den oben beschriebenen wie folgt:
Neugeben. Ein Spieler ohne 10er, 9er und Asse kann Neugeben verlangen. Der gleiche Geber sammelt die Karten ein, mischt und gibt nochmals.
Signale.
- Ein Spieler, der auf den Tisch tippt, wenn er seine Karte spielt, deutet an, dass er gute Karten in dieser Farbe hält.
- Ein Spieler, der seine Karte auf den Tisch gleiten lässt, signalisiert gute Karten in der anderen roten/schwarzen Farbe.
Partieende. Es wird auf 33 Punkte gespielt (andere spielen wesentlich länger, z.B. bis 150).
Die folgenden Partiegewinnereignisse beziehen sich vermutlich auf das Spiel bis 33 Punkte.
Quatre 8. Eine Hand mit vier 8ern gewinnt die Partie, über einen Gewinn mit vier 7ern schreibt die Boîte nichts.
Capot (Durchmarsch). Macht eine Partei alle 8 Stiche, dann gewinnt sie die Partie.
«18 à 4 dans le trou de la chatte» (18 zu 4 in der Muschi). In der Version der Boîte von 2020 wird angegeben: Eine Partei gewinnt die Partie, wenn sie am Ende eines Spiels 18 Punkte hat und die Gegenspieler 4 Punkte. (In der überarbeiteten Seite von 2023 wurde diese Regel ohne Begründung gestrichen.)
Das ist nur nach dem 1. oder 2. Spiel möglich, da in jedem Spiel ein Vielfaches von 11 Punkten verteilt wird und 18+4 = 22 = 2×11 sind.
Règles de jeux de cartes inédites
La poule hat folgende Regeländerungen:
- Falls ein Stich weniger als 1 Punkt wert ist, muss der Stichgewinner eine seiner niedrigstrangigen Karten zum nächsten Stich anspielen. Eine 7, oder eine 8, wenn er keine 7 hält usw.
- Wer eine (oder mehrere) Poule(s) punkten will muss dies vor dem Spiel der ersten Karte ansagen. Farben müssen dabei nicht angegeben werden. (Von einer Strafe, falls ein Spieler eine Poule ansagt ohne sie zu machen, sagt die Regel nichts.)
- Für die Partie werden 200 Punkte als Ziel vorgeschlagen.
Regel 1 hat einen erheblichen Einfluss auf die Spieltaktik.
Angenommen Anne hält
10-9-A
und spielt
10
an, die anderen Spieler bedienen
B,
8,
7.
Anne gewinnt einen Stich der nur ⅔ Punkte wert ist, darf also nicht mit
9
und
A
fortsetzen, sondern muss eine der niedrigstrangigen Karten spielen, die
sie hält. Damit ist die Poule-Prämie futsch.
Besser wäre es gewesen, zuerst mit dem
A
zu beginnen, damit der Stich wenigstens 1 Punkt wert ist, und dann z.B.
mit
10
fortzusetzen, in der Hoffung, dass auch der Fortsetzungsstich 1 oder
mehr Punkte wert ist, zum Beispiel weil ihr Partner nicht bedienen und
daher ein Ass spielen kann. Dann könnte Anne als drittes die
9
spielen und so die 11-Punkte-Poule-Prämie kassieren.
Pollack
«Ein neues Spiel welches schnell in Gunst gekommen ist, und namentlich in Berlin an öffentlichen Orten viel gespielt wird.» (Ludwig von Alvensleben, Encyclopädie der Spiele, Leipzig 1853, Wiegand)
Das Spiel Pollack taucht in der Mitte des 19. Jh. in deutschen Regelwerken auf, zuerst wohl in Alvensleben, und ist seither aus ihnen nicht mehr verschwunden. Inwieweit es tatsächlich noch privat oder an öffentlichen Orten gespielt wird, ist unbekannt.
Die Regeln von 1853 sind näher an denen des heutigen Tressette, als die von Quatre Sept. Einerseits funktioniert die Kombination 10-9-A im Quatre Sept anders, andererseits ist der Partiegewinn mit vier 7ern im Quatre Sept ein Überbleibsel von noch älteren Tressette-Regeln, bei denen drei oder vier 7er auf der Hand die Partie gewonnen haben. Von einem Partiegewinn mit vier 7ern ist in den Pollack-Regeln nicht die Rede und im moderenen Tressette gibt es dergleichen ebenfalls nicht mehr.
Man hat auch mit deutschem Bild gespielt. Dann ist das Ass ein Daus, statt der Dame gibt es den Ober, statt des Buben den Unter. Die Farben sind Eichel, Grün/Blatt, Rot/Herz und Schellen. Ansonsten sind Rang der Karten und Ablauf des Spiels wie bei Quatre Sept.
Meldungen
Eine Wertung Politaine während des Spiels gibt es nicht. Stattdessen können Spieler Kartenkombinationen melden, die sie auf der Hand halten und die denen von Tressette entsprechen:
3 Punkte für Drillinge aus 10ern, 9ern oder Assen.
4 Punkte für Vierlinge aus 10ern, 9ern oder Assen.
3 Punkte für Pollack = 10-9-A in einer Farbe.
Dieselbe Karte kann sowohl in einem Pollack, wie in einem Drilling oder Vierling gemeldet werden. (*)
Wer einen Pollack meldet, muss die Farbe nennen; wer einen Drilling meldet, die fehlende Farbe. (*)
(*) Diese beiden Regeln sind von Tressette übernommen, Alvensleben schreibt dazu nichts.
Der Spieler, der zum ersten Stich ausspielt, macht die ensprechenden Ansagen vor dem Spiel der ersten Karte. Die anderen Spieler dürfen erst ansagen, wenn ihre Seite einen Stich gemacht hat. Da die Karten für die Ansage gehalten werden müssen, kann es passieren, dass eine Partei zu spät ans Spiel kommt, um alle von den Partnern anfangs gehaltenen Kombinationen melden zu können.
Beispiel. Das Folgende wäre «ein roter Pollack und 9er ohne Schellen» für 6 Punkte:
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Partie
Eine Partie geht, wie Tressette, auf 21 Punkte und wird, wie dort, ausgesagt.
Vermutet ein Spieler während des Spiels, dass seine Partei mit den aktuellen Kartenpunkten auf 21 kommt, dann sagt er dies an. Die Karten werden gezählt. Stimmt die Ansage, dann hat die ansagende Partei gewonnnen, sonst verloren. Die Punkte der nichtansagenden Partei spielen keine Rolle.
Von Sonderpartiegewinnen, wie im Tressette (Cappotto usw.), wird nichts berichtet.
Kartenbilder
Deutsche Karten: Altenburger Spielkarten Fabrik AG, 1890, «Preussisches Doppelbild, Kongresskarte». @ World Web Playing Card Museum, Kat.-Nr. 00418/01.
Französische Karten: David Bellot, 2005, «SVG playing cards 4». @ Wikimedia Commons. Lizenz: LGPL.