Penneech

Das historische englische Kartenspiel Penneech (P’nietsch) ist laut David Parlett ein «lustiges Spielchen für Zwei» (jolly little two-hander). Es handelt sich um ein klassisches Augenstichspiel, bei dem die Spieler versuchen, möglichst viele möglichst wertvolle Stiche zu gewinnen. Charakteristisch sind zwei Merkmale: Erstens wechselt die Trumpffarbe von Stich zu Stich, zweitens zeigen die Spielelemente eine gewisse Vorliebe für die Zahl Sieben.

Die einzige bekannte Beschreibung des Spiels findet sich in der 2. Auflage des «Compleat Gamester» von Charles Cotton (1676). Die deutschen Regeln basieren auf einem Austausch zwischen Ulf Martin und John McLeod über die Interpretation von Cottons Regelwerk, und der Rekonstruktion von David Parlett, die weitere historische Angaben enthält. Dies ist unseres Wissens nach die erste deutsche Beschreibung dieses Spiels.

Spielregeln

Karten, Spielmaterial. Es wird ein Romméblatt ohne Joker mit 52 Karten benötigt. Der Rang der Karten ist von oben AKDB1098765432 in allen Farben bis auf Karo, wo die 7 die höchste Karte ist. Die im Spiel gewonnenen Punkte werden laufend aufaddiert; nützlich dafür ist ein Zählbrett wie für Cribbage oder Costly Colours (beide von Cotton beschrieben), das schon damals in jeder englischen Kneipe verfügbar war.

Spielziel ist es, durch die aufgeschlagenen Trumpfkarten und gewonnene Karten zuerst 61 Punkte zu markieren (einmal rum auf dem Zählbrett).

Wertkarten. Nur Trumpfkarten sind Wertkarten. Allgemein können das Asse und Bildkarten sein, Kartenpunktwert (Augenwert) ist A=5, K=4, D=3, B=2.

Penneech. Die ♦7 heisst Penneech und ist 7 Augen wert, wenn Karo Trumpf ist und sie den Stich gewinnt. Wird Penneech als Trumpf aufgeschlagen, dann zählt sie 14 Punkte (2×7). Wenn Karo kein Trumpf ist, dann hat ♦7 keinen Augenwert, bleibt aber höchste Karokarte. (Es ist nicht bekannt, woher der Name «Penneech» für die ♦7 kommt.)

Geben. Die Spieler geben abwechselnd. Der erste Geber wird ausgelost, indem jeder Spieler eine Karte aus dem Stapel zieht. Wer die niedrigerrangige Karte zieht, gibt zuerst. Es gilt in allen Farben die natürliche Reihenfolge: Der König ist der höchste Rang, Ass zählt als 1 (niedrigster Rang). Ziehen beide gleichrangige Karten, müssen sie nochmal ziehen. (Laut Parlett war dies bis ins 20. Jh. die übliche Weise, den ersten Geber zu bestimmen.)

Der Geber mischt, lässt abheben, und verteilt an jeden abwechselnd einzeln verdeckt 7 Karten. Die Spieler nehmen die Karten auf, ohne sie dem Mitspieler zu zeigen. Die übrig gebliebenen Karten werden als Stapel verdeckt auf den Tisch gelegt (Talon). Hat ein Spieler weder Asse noch Bildkarten bekommen, dann kann er verlangen, dass neu gegeben wird.

Abspiel. Der Geber schlägt die oberste Talonkarte auf, die den Trumpf für den ersten Stich bestimmt. Handelt es sich um eine Wertkarte, dann markiert der Geber den Wert (14 für Penneech). Der Nichtgeber spielt die erste Karte, der zweite Spieler muss, wenn er die angespielte Farbe hält, entweder die angespielte Farbe bedienen oder Trumpf spielen; wenn er die angespielte Farbe nicht hält, dann spielt er eine beliebige Karte.

Den Stich gewinnt der höchste Trumpf, sonst die höherrangige Karte der angespielten Farbe. Der Stichgewinner markiert sofort eventuell gewonnene Wertkarten (Trumpf-Ass und -Bilder, Penneech = 7). Der Gewinner eines Stichs dreht die nächste Talonkarte um und markiert ggf. deren Wert. Die umgeschlagene Karte bestimmt den Trumpf für den nächsten Stich, zu dem der Stichgewinner anspielt.

Der Gewinner des 7. und letzten Stichs dreht nochmal eine Talonkarte um und markiert deren Wert.

Stichpunkte. Der Spieler, der 4 oder mehr Stiche gewonnen hat, markiert nach dem Spiel einen Punkt für jede Karte mehr als 7 in seinen Stichen.

Stiche: 4 5 6 7
Punkte: 1 3 5 7

Partie. Sobald ein Spieler seinen 61. Punkt markiert, hat er die Partie gewonnen.

Varianten

Da die Regeln nur aus einer Quelle bekannt sind, sind zwar keine Varianten im eigentlichen Sinne bekannt, es gibt jedoch Lücken in Cottons Beschreibung, die andere Interpretationen der Regeln erlauben.

Wertkarten. Die Regel, dass Trumpf-Wertkarten gewonnen werden müssen, entspricht dem Punkt für «Jack» in All Fours, dem Gleek nach einer möglichen Lesart von Willughby, und dem zeitgenössischen, aber nicht von Cotton erwähnten französischen Spiel Impériale.

Es ist denkbar, dass die Trumpf-Wertkarten «in Hand» (Cotton) zählen, wenn ein Spieler sie ausspielt, nicht wenn er sie gewinnt. Das entspäche etwa Ruff & Honnours oder den Punkten High und Low in All Fours und den niedrigen Trumpfkarten im Gleek, sowie den hohen, je nachdem wie man die entsprechende Passage bei Cotton interpretiert.

Nach der Rekonstruktion von Parlett sind alle Asse und Bilder Wertkarten, auch dann wenn sie nicht Trumpf sind (wie im Wertungspunkt «Game» in All Fours). Dem widerspricht allerdings, dass Cotton an allen Stellen, wo er über «Aces and Coats» schreibt, «in Trumps» hinzufügt.

Stichregel. Die angegebene Stichregel, nach der immer Trumpf gespielt werden kann, egal was angespielt wurde, entspricht dem von Cotton beschriebenen All Fours und Maw (bei Cotton «Five Cards»). Für All Fours gibt Cotton die Stichregel ausdrücklich an, in den Regeln von Penneech oder Maw schreibt er dazu nichts. (Der Erfahrung von Parlett nach ist diese Stichregel die Beste.)

Die meisten Stichspiele, die Cotton beschreibt, insbesondere die prestigeträchtigen Hombre und Piquet, sowie die populären Gleek, Ruff & Honours und Whist, haben die Regel: Die angespielte Farbe muss bedient werden, nur wer das nicht kann darf Trumpf spielen oder wirft eine andere Farbe ab.

Variante mit 32 Karten. Parlett notiert, dass Cotton immer angibt wenn ein Spiel nicht mit 52 Karten gespielt wird, «es sich jedoch lohnen könnte» (might be worth trying) alle Karten unter den 7ern zu entfernen, d.h. ein Skat/Préférence-Blatt zu verwenden. – In diesem Fall ist der Anteil der Wertkarten im Kartenpaket höher (um ca. 60%), so dass es sinnvoll sein könnte, das Spielziel z.B. auf 91 (eineinhalb mal rum auf dem Zählbrett) oder mehr zu erhöhen.

Quellen

Cotton = Charles Cotton, Compleat Gamester. London 1674. (Google Books)

Parlett = David Parlett. «Penneech». Historic Card Games, 2022 (augerufen 21. Okt. 2022).

Willughby = Francis Willughby, Manuskript 1665–70 in der Middleton Collection, Hallward Library, University of Nottingham. Veröffentlicht in: David Cram, Jeffrey L. Forgeng and Dorothy Johnston. Francis Willughby’s Book of Games. Abingdon, Oxon 2003, Routledge.

Diese Seite ist ein Beitrag von Ulf Martin und wird von John McLeod john@pagat.com betreut.
© Ulf Martin, 2023. Version aktualisiert am: 31. Januar 2023

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